Ägypten: Mina Daniel – مينا دانيال

Ägypten: Mina Daniel – مينا دانيال

Mina Daniel war politischer Aktivist der Jugendbewegung für Gerechtigkeit und Freiheit in Ägypten, er wurde ermordet im Oktober in Kairo, als Muslime und Soldaten die friedliche Demonstration von koptischen Christen angriffen. Während wir hier versuchen, die Christen in Deutschland dazu zu bewegen, sich mehr für die verfolgten Christen weltweit einzusetzen, sterben genau diese, diesmal in Ägypten.

Das ist nichts Neues, mag der eine oder andere mittlerweile denken, da hat die koptische Kirche halt einen weiteren Märtyrer. Wie traurig das doch doch ist! Für Mina Daniel, für Euch, für uns alle!

Wir haben hier zur Verdeutlichung der Lage das Länderprofil für Ägypten in Deutsch angehängt. Die Lage für die Christen wird dort immer schlimmer, zehntausende verlassen das Land, gehen nach Amerika oder Europa. Es scheint so, als würden die Muslimbrüder und das Militär mit ihrem Vorgehen genau das erreichen, was sie wollten – die Auslöschung des Christentums in Ägypten!

Mena Daniel – مينا دانيال

Mena Daniel – مينا دانيال

Mena Daniel – مينا دانيال

John 15:13

يس لاحد حب اعظم من هذا ان يضع احد نفسه لاجل احبائه.

Ägypten [Profil 2010/11]

Einwohner: Religionszugehörigkeit:
84,5 Millionen Muslime 87% Christen 12% Sonstige            1%

In Tunesien löste am 17. Dezember 2010 die Selbstverbrennung eines Gemüsehändlers Protestwellen aus, die sich sehr schnell zu einem Volksaufstand und zum Sturz der Regierung ausweiteten. Nach diesem Vorbild kam es im Januar 2011 zu Unruhen in Algerien und Ägypten. Hier gingen seit dem 25. Ja- nuar Hunderttausende auf die Straßen und Plätze, um friedlich gegen das Regime von Präsident Hosni Mubarak zu demonstrieren. Die Massenproteste führten am 11. Februar 2011 zum Rücktritt von Mubarak. Die Regierungsgewalt ging auf einen Militärrat über, der den Bürgern freie und demokratische Wahlen und die Aufhebung der Notstandsgesetze in Aussicht stellte, mit denen Mubarak fast dreißig Jahre lang das Land regiert hatte. Er hatte dies unter anderem damit gerechtfertigt, dass er so islamistische Strömungen im Land besser unter Kontrolle halten könne, insbesondere die offiziell verbo tene Muslimbruderschaft.

 Folgen für die Christen

Insbesondere die Christen stellen sich die Frage, wie sich Ägypten nach dem Rücktritt Mubaraks entwickeln wird. Sollte es tatsächlich zu freien, demo- kratischen Wahlen kommen, werden insbesondere der Muslimbruderschaft große Chancen eingeräumt. Sie könnte bis zu einem Drittel der Stimmen gewinnen und so deutlich stärkeren Einfluss auf die politische Gestaltung des neuen Ägyptens nehmen, und zwar auf den Grundlagen der islamischen Religion. Ob das zu einer stärkeren Islamisierung des Landes mit negativen Folgen für die religiösen Minderheiten führen wird, ist derzeit völlig ungewiss.

Schon bislang leiden Christen in Ägypten unter vielfältigen Formen der Diskriminierung. Sie werden von Schlüsselpositionen in der Armee, der Polizei und in Universitäten ausgeschlossen mit Ausnahme von direkten Ernennungen, die oft als eine Art Gönnerschaft betrachtet werden, von denen die Gesellschaft keinen wirklichen Nutzen hat. Dies war 2006 der Fall, als Präsident Hosni Mubarak einen Kopten an die Spitze des Gouvernorats Qena ernannte. Die Christen aus dieser Region bestätigen, dass diese Nominierung ihr Schick- sal nicht verbessert hat, da ein christlicher Gouverneur den Muslimen seine Gunst erweisen muss. Außerdem wächst der Extremismus in der muslimischen Bevölkerung stetig weiter.

Gewalt gegen Christen

Im April 2009 überfielen hunderte von Muslimen die Geschäfte von Christen, nachdem das Gerücht kursierte, dass ein Muslim von drei Christen umge- bracht worden sei. Diese sind die Eigentümer des Wohngebäudes, in dem der Moslem gewohnt hatte. Im Juni 2009 wurde in der Provinz Qalubiya im Nor- den Kairos ein 60-jähriger Christ von einem 24-jährigen Moslem zu Tode ge- schlagen. Der Sohn des Opfers wurde verdächtigt, eine unzulässige Liebesbeziehung mit der Schwester des Mörders gehabt zu haben.

Am 21. Juni 2009 griffen Moslems die koptischen Einwohner des Dorfes Ezbet Bouchra-Ost an und zerstörten ihre Häuser sowie ihre Ernte. Dieser Überfall erfolgte, nachdem sie gesehen hatten, dass 25 Christen aus Kairo ge- kommen waren, um den Priester P. Isaac Castor zu besuchen, der in einem Wohnhaus wohnt, das der koptischen Kirche gehört. Sie hatten daraus ge- schlossen, dass sie einen Gottesdienst besuchen wollten. 19 Christen wurden anschließend verhaftet und erst am nächsten Tag wieder freigelassen.

Im September 2009 wurden 150 Christen in den Regionen von Assouan, Daqahliya, dem Roten Meer und Port Said verhaftet, da sie „in der Öffentlich- keit das Fasten am Ramadan gebrochen hatten“, das heißt vor Sonnenuntergang in der Straße gegessen oder geraucht hatten. Die meisten konnten das Gefängnis wieder verlassen, nachdem sie eine Kaution von 500 ägyptischen Liren (umgerechnet ca. 100 US Dollar) bezahlt hatten. Für Samuel Alashay, Direktor einer christlich-liberalen Bewegung, könnte diese Maßnahme – die erste ihrer Art in Ägypten – eine Antwort sein auf den Streik vom 11. September, bei dem viele Kopten ein Gesetz forderten, das den Bau von Kirchen erleichtert. Diese Streikbewegung wurde beschlossen, nachdem der islamische Rat von Ägypten eine Fatwa erlassen hatte, aufgrund derer „es eine Sünde gegen Gott ist, wenn ein Muslim die Absicht hat, Geld für den Bau einer Kirche zu spenden.“

In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 2010 wurden in der Stadt Nag-Hammadi in Oberägypten, 40 km von Luxor entfernt, koptische Christen Opfer einer Schießerei, als sie die Kirche Mar Girgis (Sankt-Georg) verließen, in der sie einer Weihnachtsmesse (nach dem orthodoxen Kalender) beigewohnt hatten. Vor der Kirche hatte ein Auto angehalten, und die drei Insassen eröffneten das Feuer auf die Gläubigen. Bilanz: sieben Tote, darunter ein Polizist, und ein Dutzend Verletzte, darunter zwei Muslime. Dieses Massaker wurde als Blut- rache für die Vergewaltigung eines 12-jährigen muslimischen Mädchens dargestellt.

Offenbar soll ein Kopte die Tat im November 2009 in Farchout, in der Nähe von Nag-Hammadi begangen haben. Tatsächlich wurde in dieser Ort- schaft ein 21-jähriger Kopte festgenommen, ohne dass ihm jedoch eine Schuld nachgewiesen werden konnte. Als Vergeltungsmaßnahme hatten Muslime die Geschäfte und Häuser von Kopten verwüstet und in Brand gesetzt. 80 Pro- zent der Geschäfte wurden bei diesem Ansturm zerstört. Einige Christen wur- den verletzt und sieben christliche Frauen entführt. Die Polizei schritt erst nach den Verwüstungen ein. Die örtlichen Behörden baten die betroffenen Christen, nicht gegen ihre muslimischen Angreifer zu klagen, sondern einen Vergleich zu schließen. Die Christen erhielten keinerlei Entschädigung.

Nach Aussagen des koptisch-orthodoxen Bischofs von Nag-Hammadi, Msgr. Kyrillos, hatten mehrere Kopten in der Stadt Drohungen erhalten, in denen sie gewarnt wurden, dass die Muslime die „Vergewaltigung des Mädchens während des Weihnachtsfestes rächen würden“. Der Bischof hatte die Orts- polizei benachrichtigt, die allerdings keinerlei Maßnahme traf, um die Kirche zu schützen. Die Schießerei war mit dem Ziel geplant, eine große Anzahl Gläubiger zu töten, aber ein Großteil unter ihnen hatte die Kirche bereits ver- lassen, da der Priester die Feier aus Sicherheitsgründen vorverlegt hatte. Er hatte in der Tat mehrere Morddrohungen in der Woche vor Weihnachten er halten.

Die Auswahl von Ort und Zeitpunkt weisen eindeutig darauf hin, dass diese Gewaltaktion im Zusammenhang mit der Zunahme des islamistischen Ein- flusses im Land stehen. Mohammed Sayed Tantawi, Imam der El-Azhar- Moschee in Kairo und höchste Autorität des ägyptischen sunnitischen Islams [bis zu seinem Tod im März 2010; Anm. der Red.], verurteilte diese Gewalt- akte – was äußerst selten vorkommt – und er sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.

Am 20. Januar 2010 sagte Papst Shenouda III.: „Das einzige, was heute die Kopten beschwichtigen könnte, wäre ein gerechtes Urteil durch die ägypti- schen Gerichte in Bezug auf die in den letzten 30 Jahren gegen Christen ver- übten Morde und zwar gegen diejenigen Attentäter, die bislang noch niemals abgeurteilt und noch viel weniger bestraft wurden. Es handelt sich dabei um

1800 Mordfälle von Christen und ungefähr 200 Fälle von Vandalismus, die gegen Sachgüter von Christen verübt wurden. Während die Behörden bis zu diesem Zeitpunkt bei dieser Art von gegen Christen gerichteten Aggressio- nen eine sehr lasche Vorgehensweise zeigten, haben sie nach den Morden in Nag-Hammadi versprochen, ein strenges Urteil zu fällen. Die Angeklagten, unter denen sich ein Wiederholungstäter befindet, wurden einem staatlichem Sicherheitsgericht überantwortet.

Um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, hatte die ägyptische Justiz am 22. Februar 2010 fünf Muslime wegen Mordes, den sie an zwei Christen in Hagaza (Oberägypten) im April 2009 verübt hatten, zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt.

Anfang März 2010 jedoch sprach das Gericht von Assiout vier Muslime, die wegen Mordes an einem Christen im Oktober 2009 angeklagt worden waren, frei. Der Mord war jedoch in Gegenwart mehrerer Zeugen und auf selten bru- tale Weise verübt worden. Das Opfer Atallah Farouk wurde durch zahlreiche Schüsse in den Kopf niedergestreckt, anschließend enthauptet und unter Sie- gesgeschrei durch die Straße geschleift. Das Gericht wollte die Zeugenaussa- gen der Tochter des Opfers und eines durch die Schüsse verletzten Mannes nicht berücksichtigen. Die Medien berichteten, dass die meisten Zeugen aus Angst vor Vergeltung eine Aussage verweigert hätten. Für den Anwalt der Fa- milie, Peter Sarwar, der Berufung eingelegt hatte, „vermittelt dieses Urteil die Botschaft, dass das Blut eines Kopten nichts wert ist“.

Am 12. März 2010 übten Muslime in Marsa Matrouh, einer Küstenstadt im Westen Alexandriens, einen Sturmangriff auf das christliche Viertel von Ree- fiya aus, in dem 2000 Kopten leben. 24 von ihnen wurden verletzt, 17 Gebäude und 12 Autos zerstört. Einer der Christen, Professor Mounir Naguib, versicherte, dass er unter Druck gesetzt worden sei, sich zum Islam zu be- kehren. Diese Aggression, die sich auch gegen die Kirche richtete, ereignete sich nach dem großen Freitagsgebet, im Verlauf dessen der Scheich der be- nachbarten Moschee zum Dschihad gegen die Christen aufgerufen hatte.

Der seit langem schwerste Anschlag auf Christen ereignete sich kurz nach Mitternacht am 1. Januar 2011. Dort zündete ein Selbstmordattentäter seinen Sprengstoffgürtel vor einer koptischen Kirche, als die Gläubigen am Ende der Neujahrsmesse aus der Kirche strömten. Mehr als zwanzig koptische Chris- ten wurden in den Tod gerissen, viele weitere zum Teil schwer verletzt. Erste Spuren führten in islamistische Kreise, die der Terrorbewegung Al-Qaida na- hestehen. Papst Benedikt XVI. bezeichnete die Tat am Tag danach als „feige Geste des Todes“ und als „Beleidigung gegenüber Gott und der ganzen Menschheit“.

Andere Formen von Gewalt und Ungerechtigkeit

Es ist ein erneuter Anstieg an Entführungen junger koptischer Mädchen zu beobachten, die gewaltsam mit Muslimen verheiratet werden (Christian Soli- darity International, Nr. 370, Februar 2010).

Während der Internationalen Buchmesse in Kairo im Februar 2009 wurden die beiden Kopten Mina Adil Shawki und Issam Kadees Nassif von staatlichen Si- cherheitskräften festgenommen, weil sie eine Bibel in der Hand trugen. An- geklagt wegen Diffamierung des Islams, wurden sie mehrere Tage festgehalten.

2008 wurde eine Verordnung vom Rat der Ärztekammer, der von der Mus- limbruderschaft dominiert wird, erlassen, der „die Transplantation von Orga- nen zwischen Personen verschiedener Religionen untersagt“. Für den Präsidenten der Menschenrechtsunion in Ägypten, Naguib Gabriel, der Christ ist, zeugt dieser Entscheid von „blindem Fanatismus“. Der Präsident der Ärz- tekammer, Hamdi El Sayed, rechtfertigte seinerseits den Entscheid mit fol- genden Worten: „Dies ist kein konfessionell motivierter Entscheid. Wir haben diesen Entscheid getroffen, um den Organhandel zu unterbinden. Warum sollte ein Kopte einem Muslim eine seiner Nieren geben, wenn er nicht dafür bezahlt wurde? Genauso umgekehrt.“ Auf Intervention mehrerer politischer Persönlichkeiten wurde diese Verordnung von der Ärztekammer rückgängig gemacht.

Am 13. September plünderten Polizisten das Café der christlichen Familie Morris Ghatas in Port Said und nahmen die sechs Söhne fest, wobei sie zwei von ihnen verletzten. Grund der Intervention: Das Café war während des Ra- madans geöffnet. Mit Gerichtsbeschluss vom 22. Januar 2009 wurden den sechs Brüdern von dem muslimischen Richter namens Mohammed Hassan El-Mahmoody eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, Zwangsarbeit sowie eine Geldstrafe von 2100 Dollar auferlegt. Das Gericht befand, dass die Öffnung des Cafés während des Ramadans die Muslime dazu verleitet habe, das Ver- bot der Nahrungsaufnahme bis zum Anbruch der Nacht, zu übertreten. Kein ägyptisches Gesetz verbietet jedoch die Nutzung öffentlicher Einrichtungen während des Ramadans.

Am 28. April 2009 beschloss die ägyptische Regierung im Rahmen von Prä- ventivmaßnahmen gegen das H1N1-Virus (Schweinegrippe), sämtliche Schweine im Land zu schlachten. Der Tierbestand wurde auf 300 000 Tiere geschätzt. Diese im Mai durchgeführt Maßnahme fügte vor allem den Kopten erheblichen Schaden zu, denn die meisten Schweinezüchter sind Kopten. Laut Koran (Sure 2, 173) sind Schweine unreine Tiere.

Die Maßnahme legte es auf die Züchter in der Provinz und vor allem auf die „Zabbalinen“ an, die Lum- pen- und Abfallsammler in Kairo, die ihre Tiere jeden Morgen mit den in den Straßen der Hauptstadt aufgesammelten Abfällen ernährten. Außerdem reich- ten die staatlichen Entschädigungen bei weitem nicht aus. Die Kopten sahen in dieser Tötungskampagne eine zusätzliche Diskriminierung. Die Weltge- sundheitsorganisation hielt diese Maßnahme in der Tat für unnötig, da wis- senschaftlich nachgewiesen ist, dass das in Frage kommende Virus sich nicht vom Tier auf den Menschen überträgt. Außerdem wurde der Regierungsent- scheid auf Antrag von der Muslimbruderschaft nahe stehenden Parlamenta- riern getroffen.

Eine juristische Angelegenheit rief einen Konflikt zwischen der ägyptischen Justiz und dem koptisch-orthodoxen Patriarchat hervor. Im Sommer 2009 strengte der geschiedene Christ Hani Wasfi Naguib einen Prozess gegen Papst Shenouda III. an, der ihm das Recht zur Wiederheirat verweigerte. In erster Instanz bekam der Kläger Recht. Der Patriarch legte daraufhin beim Obersten Verwaltungsgericht Berufung ein, das dieses Urteil vom 29. Mai 2010 mit fol- gendem Wortlaut bestätigte: „Laut Gesetz darf ein Christ wieder heiraten und die Verfassung garantiert ihm das Recht auf Gründung einer Familie. Die Berufung des Patriarchen Shenouda, die die Kopten daran hindern soll, wieder zu heiraten, wird abgelehnt.“

Dieser Entscheid lässt sich damit erklären, dass die Scharia, die nach Artikel 2 der Verfassung die wesentliche Rechtsgrund- lage bildet, die Wiederheirat im Falle einer Ehescheidung oder Verstoßung erlaubt. Darüber hinaus ist für eine rechtmäßige Anerkennung der Verbindung die religiöse Eheschließung vorgeschrieben. Ferner sind die Entscheide des Obersten Gerichtshofes nicht mehr anfechtbar. In einer Verlautbarung gab der Sekretär von Shenouda, Msgr. Armiya, bekannt, dass seine Kirche alles un- ternehmen werde, um diesen Gerichtsentscheid zu Fall zu bringen und nie- mandem erlauben werde, eine zweite religiöse Hochzeit zu feiern. „Keine Macht der Welt kann die Kirche zwingen, die Lehre der Bibel und die Ge- setze der Kirche zu verletzen, wonach der Mensch nicht trennen soll was Gott vereint hat“. Mit einem Urteilsspruch vom 7. Juli 2010 hat der Oberste Ge- richtshof jedoch den Entscheid widerrufen.

Konvertierung zum Christentum

Trotz Artikel 46 der Verfassung, der die Glaubensfreiheit und die Freiheit zur Ausübung der Religion anerkennt, bleibt die Konvertierung zum Christentum verboten. Die Gerichte wenden meistens die Scharia an. Somit bleibt ein Mus- lim, der sich taufen lässt, in den Augen der Standesämter weiterhin ein Mus- lim. Seine neue Konfession und seine neuen Vornamen werden in seinen Ausweispapieren nicht geändert. Da das Gesetz keine Bestimmung bezüglich der Konvertierung vom Islam zu einer anderen Religion enthält, bleibt es dem Urteil der Richter überlassen, sich entweder auf das Prinzip der Gleichheit aller Bürger zu berufen oder auf die Scharia.

Der Antrag von Mohamed Hegazy, dem ersten Konvertiten, der zur Aner- kennung seiner neuen christlichen Identität ein Gerichtsverfahren angestrengt hatte, (er hatte den Namen Bishoy gewählt, nach dem gleichnamigen Wüs- tenmönch und Jünger des Heiligen Makarius, siehe KIN Bericht 2008) wurde vom Obersten Verwaltungsgericht im Januar 2008 abgelehnt. Der Rektor der Fakultät für islamische Studien von der Universität El-Azhar erließ eine Fatwa gegen ihn, in der er und seine Frau, die sich ebenfalls zum Christentum be- kehrt hatte, zum Tode verurteilt wurden. Dadurch konnte er an den Sitzungen des Gerichtsverfahrens nicht teilnehmen und ist seitdem gezwungen im Untergrund zu leben.

Im Februar 2009 hat der ehemalige Muslim und jetzige Christ Maher El- Gowhary, der sich vor 30 Jahren bekehrt hatte und sich auf die Vornamen Pierre Athanase hatte taufen lassen, ein ähnliches Gerichtsverfahren für sich und seine 15-jährige Tochter Dina eingeleitet. Auf Verlangen der Richter er- schien er vor Gericht, trotz der Gefahren denen er ausgesetzt war, denn er war von muslimischen Extremisten als „Abtrünniger“ deklariert worden, lebte im Untergrund und konnte weder arbeiten gehen noch sein Kind zur Schule schi- cken. Sein Antrag wurde wegen „Bedrohung der öffentlichen Ordnung“ ab- gelehnt. Einer der Anwälte stellte das Motiv klar und deutlich heraus: „Die Regierung weiß, dass, sobald sie das Recht einräumt den Islam zu verlassen, Millionen ehemaliger Muslime, die ihren christlichen Glauben geheim hal- ten und in der Angst leben entdeckt zu werden, sich öffentlich bekennen und ihren Glauben praktizieren würden.

Dies würde ein Chaos auslösen.“ Von Millionen zu sprechen ist zwar übertrieben, aber es soll in Ägypten mehrere Tausend Konvertiten geben, die sich vom Islam zum Christentum bekehrt haben und darauf hoffen, ihre neue Identität anerkannt zu bekommen. Gowhary legte gegen den Gerichtsentscheid Berufung ein. Aber am 13. Juni 2009 bestätigte der mit dieser Angelegenheit beauftragte Gerichtshof von Kairo das Urteil aus erster Instanz. Am darauf folgenden 17. September zogen Beamte des internationalen Flughafens von Kairo den Ausweis von Gowhary ein, als er nach China reisen wollte. Ungefähr 20 muslimische Rechtsexperten, die am 22. Februar vor Gericht angehört wurden, bestätigten, dass Gowhary wegen Apostasie zum Tode verurteilt werden müsse. Er selbst und seine Tochter haben Nachrichten mit Morddrohungen erhalten.

Es muss hervorgehoben werden, dass die Koptische Kirche, die sich zwar ei- nerseits von Hegazy distanziert hatte, in diesem Fall bereit war, Gowhary auf Anfrage des Gerichts eine Bescheinigung über den „Wechsel des Ritus“ aus- zustellen. Da Gowhary in Zypern nach dem griechisch-orthodoxen Ritus ge- tauft worden war, brauchte die Koptische Kirche nicht einen Religionswechsel zu bescheinigen. Dies lehnt sie aus Angst vor Repressalien grundsätzlich ab.

Im Dezember 2008 wurde die 24-jährige Martha Samuel Makkar auf dem Flughafen Kairo wegen Konversion zum Christentum festgenommen, als sie ihrem Ehemann nachreisen wollte. Sie kam für einen Monat ins Gefängnis und wurde von dem Richter mit dem Tode bedroht, weil sie den Islam ver- lassen hatte. „Wenn ich ein Messer hätte, würde ich sie sofort töten“, sagte er zu ihr, nachdem sie sich geweigert hatte, sich zum Islam zu bekennen.

Am 13. April 2009 wurden die 22-jährige Raheal Henen Mussa, die vom Islam zum Christentum konvertiert war, und ihr koptischer Ehemann Sarwat George Ryiad wegen illegaler Heirat festgenommen. Sie hatten privat nach traditionellem Brauch ohne religiöse Zeremonie und ohne Eintragung ins kirchliche Register geheiratet. Die Kirche weigert sich in der Tat, derartige Eheschließungen zu registrieren, da nach der Scharia eine Muslima nicht das Recht hat, einen Nichtmuslim zu heiraten. Nun wird die junge Frau aber trotz ihrer Konversion, die drei Jahre vor ihrer Eheschließung stattgefunden hat und die wegen eines Tatoo-Kreuzes auf ihrem rechten Arm entdeckt wurde, immer noch als Muslima angesehen.

In Alexandria hat im Juli 2009 Kamilia Medhat Ramses, Mutter der 15-jäh- rigen christlichen Zwillinge Andrew und Mario, vor Gericht beantragt, ihre Kinder bei sich behalten zu dürfen, nachdem ihr Mann sie verlassen hatte und zum Islam konvertiert war. Das Gericht gab ihr Recht unter der Bedingung, dass sich die beiden Jungen zum Islam bekehrten. Laut Scharia müssen die Kinder die Religion ihres Vaters annehmen. Frau Ramses entschied sich, gegen diesen Beschluss Berufung einzulegen.

Quellen

  • BosNewsLife
  • Christian Solidarity International
  • Christian Today Compass Direct News El-Ahram hebdo
  • International Christian Concern L’Eglise dans le monde L’Homme nouveau
  • Reconquête
  • Solidarité-Orient
  • The Voice of Martyrs
  • The Voice of the Copts
  • The Voice of the Martyrs Canada
  • Zenit
  • via-dolorosa.d

 


Suchanfragen
  • schießerei in egipt 29 januar
  • mena ägypten
  • مينا دانيل
  • christen freiheit frauen ermordet
  • dezember 2011 treffen christenverfolgung

Share this!

Ägypten: Mina Daniel – مينا دانيال Subscribe to our RSS feed. Tweet this! StumbleUpon Reddit Digg This! Bookmark on Delicious Share on Facebook

Comments are closed